Frauen in Führung: Warum Diversität die Rendite massiv steigert


Heute wird es konkret.

Ich weiß, normalerweise erzähle ich dir Geschichten, teile Erfahrungen, stelle Fragen. Aber heute mache ich etwas anders: Ich überschütte dich mit Zahlen.

Nicht, weil ich dich langweilen will. Sondern weil diese Zahlen so stark sind, dass sie jedes Argument entkräften, das dir jemals jemand entgegengehalten hat. Weil sie schwarz auf weiß beweisen, was wir schon lange wissen – aber endlich auch belegen können.

Also: Schnall dich an. Nimm dir einen Kaffee. Und lass die Zahlen auf dich wirken. Es lohnt sich.

Wenn Zahlen eine Geschichte erzählen

Es gibt immer wieder diese Momente in Meetings, wenn jemand sagt:

“Natürlich sind wir für Diversität, aber es geht eben auch um die Performance”?

Als ob das ein Widerspruch wäre. Als ob wir uns zwischen Gerechtigkeit und Erfolg entscheiden müssten.

Ich habe diesen Satz so oft gehört, dass ich irgendwann aufgehört habe, darauf zu reagieren. Stattdessen habe ich angefangen, Fragen zu stellen.

Der Moment, der alles veränderte

Und dann bin ich auf Zahlen gestoßen, die alles auf den Kopf stellen.

Stell dir vor: Venture-Capital-Teams, die mehrheitlich aus Frauen bestehen, erzielen einen um 9,3 Prozentpunkte höheren Ertrag als reine Männerteams. 9,3 Prozentpunkte.

Das ist in dieser Branche nicht einfach ein netter Bonus – das ist der Unterschied zwischen Mittelmäßigkeit und Spitzenleistung.

Oder nimm die 100 größten börsennotierten deutschen Unternehmen:

Die Top-20 in Sachen Geschlechtervielfalt bringen Anlegern fünf Prozentpunkte mehr Rendite als homogene Führungsteams.

Mercedes-Benz Group liegt bei 93,8 Prozent Aktienrendite, Commerzbank bei 90,8 Prozent. Delivery Hero? 1,2 Prozent.

Plötzlich reden wir nicht mehr über Quoten oder Fairness. Wir reden über Geld. Über messbare Erfolge. Über das, was in Vorstandsetagen zählt.

Was die Forschung uns zeigt

Die Daten kommen aus ganz unterschiedlichen Quellen, aber sie erzählen alle dieselbe Geschichte:

Europäische Unternehmen mit geschlechterdiversen Führungsteams haben eine um 62 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich profitabel zu sein.

Jede Erhöhung des Frauenanteils in Venture-Capital-Teams um 10 Prozent bringt statistisch 1,3 Prozentpunkte mehr Rendite.

Und hier wird es konkret:

Ein profitables Unternehmen mit 30 Prozent Frauen in Führungspositionen kann eine um einen Prozentpunkt höhere Nettomarge erwarten als ein vergleichbares Unternehmen ohne Frauen an der Spitze.

Das klingt erstmal klein – aber das entspricht einer relativen Steigerung der Profitabilität um etwa 15 Prozent.

Sodexo hat das intern untersucht und herausgefunden:

Teams mit einem Frauenanteil zwischen 40 und 60 Prozent liefern konsequent bessere Ergebnisse bei Kundenzufriedenheit und Mitarbeiterengagement.

Die Wertschöpfung liegt 13 Prozent über dem Branchendurchschnitt.

Die unbequeme Wahrheit

Aber natürlich ist da auch Widerstand. Ich kenne die Einwände.

“Frauen sind zu risikoscheu für die Finanzbranche.” Habe ich hundertmal gehört. Es ist eines dieser Vorurteile, die sich so hartnäckig halten, weil sie so schön ins Weltbild passen.

Nur: Die Forschung sagt etwas anderes. Die “Lehman Sisters”-Studie hat genau das untersucht – und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Weibliche Vorstandsmitglieder in der Finanzindustrie sind nicht risikoscheuer als ihre männlichen Kollegen. Im Gegenteil: Sie können sogar mit einer Erhöhung des Portfoliorisikos assoziiert werden.

Der Grund? Ein Selektionseffekt. Frauen, die in eine so wettbewerbsintensive und risikoreiche Branche eintreten, unterscheiden sich in ihren Risikopräferenzen deutlich vom Durchschnitt.

Sie bringen entweder von vornherein eine entsprechende Risikobereitschaft mit – oder sie passen sich den Anforderungen an.

Das Stereotyp stimmt also nicht. Aber es blockiert trotzdem Karrieren.

Wenn Unternehmen es ernst meinen

Ich denke an Fraport. 2023 auf Platz 1 im BCG Gender Diversity Index.

Zwei Frauen im fünfköpfigen Vorstand: Anke Giesen für Retail und Real Estate, Julia Kranenberg für Personal.

Und das Unternehmen hat es geschafft, durch Gehaltserhöhungen für Topmanagerinnen nahezu Entgeltparität im Vorstand zu erreichen – 97 Prozent.

Oder Siemens Healthineers, das von Platz 28 auf Platz 3 gesprungen ist.

Dort sitzt Elisabeth Staudinger im Vorstand – nicht für “weiche” Themen wie HR oder Kommunikation, sondern für Cybersicherheit, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Die Zukunftsthemen. Die Bereiche, die das Unternehmen treiben.

Das sind keine Alibi-Positionen. Das ist echte Macht.

Was das für uns bedeutet

Hier sitze ich nun mit all diesen Zahlen und denke: Wir führen seit Jahren die falsche Debatte.

Wir rechtfertigen uns dafür, dass wir Frauen in Führungspositionen wollen – als wäre es eine Gunst, ein moralisches Zugeständnis, etwas, das “eigentlich” Geld kostet, aber halt sein muss.

Dabei zeigen die Daten das genaue Gegenteil. Mehr Frauen in der Führung bedeutet höhere Dividenden, bessere Aktienkurse, stabilere Gewinnmargen. Es ist kein Kostenfaktor – es ist ein Wettbewerbsvorteil.

Und trotzdem kämpfen wir immer noch. Gegen Vorurteile. Gegen Strukturen. Gegen diesen einen Satz: “Es geht eben auch um die Performance.”

Dabei geht es genau um die Performance. Nur anders, als viele denken.

Deine Gedanken?

Ich frage mich: Warum halten sich diese Vorurteile so hartnäckig, selbst wenn die Zahlen so eindeutig sind?

Warum müssen wir uns immer noch rechtfertigen – obwohl die Fakten es so klar aufzeigen?

Und was würde sich ändern, wenn diese Daten nicht in Studien versteckt wären, sondern in jedem Vorstandsmeeting auf dem Tisch lägen?

Was denkst du?

Herzlichst,
Alexandra

Frauenfinanzschule

Wie lesen lernen, nur für Finanzen


Die WissensAgentur
Alexandra Graßler
Zum Vogelherd 4
93191 Rettenbach

abmelden

Frauen Finanz Geschichten

Finanziell unabhängig zu sein ist für uns Frauen der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. In den Frauen-Finanz-Geschichten erfährst du, woran das liegt, dass wir Frauen in Sachen Finanzen immer noch soviel aufzuholen haben. Du erkennst die alten Mustern und lernst, wie du deine finanzielle Zukunft selbst in die Hand nehmen kannst. Möchtest du dich endlich selbstbestimmt um deine Finanzen kümmern? Dann hol dir jetzt deinen regelmäßigen Boost an weiblichen Finanzstorys.

Read more from Frauen Finanz Geschichten
Frau durchbricht Glasdecke beim Gehalt

Am 7. Juni 2026 tritt die Entgelttransparenzrichtlinie endgültig hier in Deutschland in Kraft. Sie ist eine Erweiterung des bereits bestehenden Entgelttransparenzgesetzes und verpflichtet Unternehmen, ihre Gehaltsstrukturen offenzulegen, damit Gender Pay Gaps reduziert werden. Vielleicht denkst du jetzt: “Schon wieder ein neues Gesetz, das am Ende doch nichts ändert.” Doch dieses Mal ist es anders. Denn diese Richtlinie hat echte Zähne. Was sich wirklich ändert Die Richtlinie adressiert...

Frau Mann Gender Investment Gap

Wir schauen uns heute mal an, warum Männer uns Frauen beim Investieren abhängen und wie das schon in der Kindheit beginnt. Wenn Geld Männersache ist Du sitzt am Küchentisch. Vor dir liegen Kontoauszüge, Versicherungspapiere, ein Brief der Rentenversicherung. Du weißt: Du solltest dich damit beschäftigen. Du weißt auch: Du schiebst es schon seit Wochen vor dir her. Vielleicht kennst du das Gefühl. Dieses diffuse Unbehagen, wenn es um Geld geht. Nicht ums Ausgeben – ums Vermehren. Ums...

pink-tax-marketing-frauen-rasur-geschichte

Kennst du das Gefühl, wenn du im Drogeriemarkt stehst und merkst, dass du schon wieder mehr ausgibst als geplant? Kosmetika, Pflegeprodukte, Beauty-Tools – es summiert sich. Und oft zahlen wir Frauen in einigen Bereichen des Lebens mehr Geld als Männer, und das nicht unbedingt immer freiwillig. Ein ganz großer Teilbereich davon sind Kosmetika, Kosmetik-Tools und alles, was mit dem Thema Schönheit zu tun hat. Aber woher kommt das eigentlich? Was ich dir heute erzählen möchte, hat mich wirklich...