Die Erfindung des "Fahrradgesichts" – und was das mit deinem Kontostand zu tun hat


Die heutige Story ist so abstrus, das man sich kaum vorstellen kann, dass das tatsächlich mal so war.

Eine medizinische "Diagnose", die es nie gab

Stell dir vor: Du lebst um 1900 und möchtest dir ein Fahrrad kaufen. Doch überall in der Stadt hängen Plakate mit Bildern von Frauen, die vor einer gefährlichen Krankheit warnen – dem "bicycle face", dem Fahrradgesicht.

Ärzte beschreiben es als permanente Veränderung: geschwollene Augen, ein verzogenes Gesicht, und wer weiß was noch alles. Klingt absurd? Ist es auch. Denn diese "Krankheit" gab es nie.

Heute klingt das so verrückt, dass man es kaum glauben kann. Doch das Fahrradgesicht war tatsächlich ein medizinischer Begriff, erfunden von Ärzten – wohlgemerkt.

Und er richtete sich explizit gegen Frauen. Männer, die Rad fuhren? Kein Problem. Aber Frauen sollten mit allen Mitteln davon abgehalten werden.

Was Ärzte wirklich fürchteten

Wenn Ärzte ein Krankheitsbild erfinden, das nur Frauen beim Radfahren bekommen können, muss man sich natürlich fragen: Warum?

Die Antwort liegt nicht in der Medizin, sondern in dem, was das Fahrrad Frauen ermöglichte.

Das Fahrrad war die erste Erfindung, die Frauen unabhängig von Männern mobil machte.

Sie konnten sich frei bewegen, wohin sie wollten, wann sie wollten – ohne Kutsche, ohne Begleitung, ohne Erlaubnis.

Gleichzeitig begannen Frauen, ihre Kleidung zu verändern. Lange Röcke waren unpraktisch beim Radfahren, also trugen immer mehr Frauen Hosen.

Und das alles fiel zusammen mit dem Beginn der Frauenwahlrechtsbewegung.

Das Fahrrad war im wahrsten Sinne ein zutiefst feministisches Instrument, das Frauen Freiheit gab. Eine Freiheit, die Männer die ganze Zeit bereits hatten.

Wenn Freiheit zur Bedrohung wird

Und genau deshalb hat sich das Patriarchat mit aller Macht dagegen aufgebäumt.

Es ging nie um geschwollene Augen oder verzogene Gesichter. Es ging darum, Frauen davon abzuhalten, sich diese Freiheit zu nehmen.

Sich frei bewegen zu können. Sich treffen zu können, mit wem man möchte. Die Kleidung tragen zu können, die man selbst gerne trägt, ohne sich einschränken zu müssen – das sind Freiheiten, die Frauen früher nicht hatten.

Und mit dem Beginn dieser Möglichkeiten, mit dem Kampf gegen Einschränkungen und für mehr Rechte wie das Frauenwahlrecht, begann etwas Größeres:

Frauen fingen an, in vielen Lebensbereichen für ihre Rechte zu kämpfen. Und schlussendlich auch für Rechte in finanzieller Hinsicht.

Das Impostor-Syndrom – eine neue alte Strategie

Was hat das alles mit Finanzen zu tun, fragst du dich vielleicht?

Wenn du heute das Gefühl hast, dass du nicht gut genug bist in dem, was du machst – vielleicht leidest du manchmal auch am Impostor-Syndrom.

Dann sei dir im Klaren: Das Impostor-Syndrom wurde als Begriff in den 70er Jahren erfunden, wieder mit einem etwas medizinisch angehauchten Hintergrund.

Schauen wir auf diese Zeit: In den 70ern wurden in vielen Ländern der Erde Gesetzesänderungen vollzogen, die Frauen mehr Rechte und Freiheit gaben.

In Amerika wurde zum Beispiel Roe versus Wade entschieden – der Paragraph, der Frauen die Rechte an ihrem eigenen Körper gab (und der inzwischen schon wieder gekippt wurde).

In Deutschland gingen so viel mehr Frauen wie nie zuvor in eigene Arbeitsverhältnisse. Damit kam Geld rein. Das verändert natürlich etwas.

Wenn Frauen Geld haben, fordern sie ihre Rechte ein

Wenn plötzlich Frauen Freiheiten, Möglichkeiten und Geld zur Verfügung haben, dann werden sie sich nicht mehr so unterdrücken lassen. Dann fordern sie ihre Rechte ein.

Genau zu dieser Zeit kam plötzlich das Impostor-Syndrom auf – und ja, auch diesmal wieder viel mehr auf Frauen ausgerichtet als auf Männer.

Was denkst du über dich selbst?

Wenn du also über dich denkst: "Ich bin nicht gut genug" oder "Ich kann das vielleicht nicht", dann solltest du im Kopf behalten, dass das möglicherweise immer noch ein Überbleibsel ist von einer patriarchalen Kultur, die es sehr schätzt, wenn Frauen nicht so viele Freiheiten haben.

Die Geschichte vom Fahrradgesicht zeigt uns: Wenn Frauen Freiheit gewinnen – sei es Bewegungsfreiheit, finanzielle Freiheit oder die Freiheit über den eigenen Körper – wird das System nervös.

Und es erfindet neue Wege, uns klein zu halten.

Wie ist das mit dir? In welchen Bereichen hast du auch schon mal am Impostersyndrom gelitten?

Herzlichst,
Alexandra

Frauenfinanzschule

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